Alexander Krauß: “Wir haben mit den Hausarztpraxen ein enorm leistungsfähiges System”

CDU-CSU

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Selbsttests und Schnelltests – keine Frage! – machen es uns leichter, durch diese zu kommen. Sie sind aber kein Allheilmittel. Nachdem ich meine Vorrednerin gehört habe, so nach dem Motto: „Man wendet mal die Schnelltests an, und dann kommt man aus dem raus“, muss ich sagen: So einfach ist die Welt leider nicht.

(Zuruf von der FDP: Da haben Sie aber nicht zugehört! – Dr. Andrew Ullmann [FDP]: Zuhören hilft!)

– Nein, sie hat es gesagt.

(Dr. Andrew Ullmann [FDP]: Nein!)

Aber keine Frage: Selbsttests und Schnelltests sind ein Meilenstein und helfen uns, weiter voranzukommen. Ich hoffe, dass es uns gelingt, de in Schulen und Kitas diese Tests einzusetzen. Das kann das Infektionsrisiko deutlich senken. Es lebt aber auch vom Mitmachen. Im Bundesland Sachsen, wo ich herkomme, hat man den Schulen freiwillige Schnelltests für die Schüler angeboten; nur ein Drittel hat das Angebot genutzt. Diese Quote müssen wir steigern. Es muss selbstverständlich sein, dass man einen Schnelltest macht, vielleicht auch einen Selbsttest, weil er eben einfacher ist und vielleicht manche Ängste nimmt.

Es bleibt dabei: Die Grundregeln, die wir aufgestellt haben – Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmasken tragen, lüften, die -Warn-App benutzen –, müssen wir beibehalten. Wenn man das vernachlässigt, wird es schiefgehen.

Natürlich – keine Frage! – müssen wir auch beim Thema Impfen vorankommen, weil das der größte Schritt ist, der uns hilft, gut durch diese zu kommen.

Schnelltests, seit gestern zugelassen, dürfen nicht zu einer trügerischen Sicherheit, zu einer Scheinsicherheit führen – darauf weist das Robert-Koch-Institut richtigerweise hin –; denn sie haben eine geringere Sensitivität, sie sind also weniger genau als ein PCR-Test. Sie sind also keine absolut sichere Methode, und sie leben davon, dass sie sachgerecht angewendet werden. Es bringt wenig, wenn man einen Test anwendet, es aber nicht richtig macht und damit dann auch kein aussagekräftiges Ergebnis erhält.

(Beifall der Abg. Dr. Claudia Schmidtke [CDU/CSU])

Vizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich:

Herr Kollege Krauß, gestatten Sie eine Zwischenfrage?

Alexander Krauß (CDU/CSU):

Ja, bitte schön.

Kordula Schulz-Asche (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):

Herr Kollege, Sie haben de zu Recht darauf hingewiesen, dass es natürlich notwendig ist, dass die Schnelltests auch richtig angewandt werden; der Kollege Dr. Henke hat das ja auch schon beschrieben. Deswegen frage ich Sie, inwieweit die Bundesregierung eine breite Aufklärungskampagne über Sinn, Zweck und Anwendungsbereiche der Schnelltests vorbereitet hat und mit der Zulassung der Schnelltests jetzt auch sofort loslegen kann, damit die Menschen zum Beispiel zweimal in der Woche morgens testen können, den Stand feststellen können, und dabei auch wissen, wie man es, erstens, richtig macht und wie man sich, zweitens, verhält, wenn das Ergebnis vorliegt.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der FDP)

Alexander Krauß (CDU/CSU):

Vielen Dank für die Frage, die sehr wichtig ist. Ich glaube, sie führt auch noch mal zu dem FDP-Antrag, der uns vorliegt.- Klar ist, wie ich finde: Es macht wenig Sinn, dass man, bevor man einen Test macht, den man sich irgendwo gekauft oder besorgt hat, irgendwo in der Zeitung, in einer Anzeige, die geschaltet wurde, nachliest, wie das Ganze funktioniert. Logisch ist doch vielmehr, dass bei einem Selbsttest eine Packungsbeilage dabei ist, in der man genau lesen kann, wie er funktioniert.

(Beifall der Abg. Karin Maag [CDU/CSU])

Deswegen ist es auch wichtig, liebe Kollegen von der FDP, dass man nicht nur sagt: „Die sollen mal alle die Tests auf den Markt bringen, und dann gucken wir mal, was passiert“, sondern vorher schaut: Ist der Test sinnvoll und gut, und ist eine Gebrauchsanweisung dabei, mit der man irgendetwas anfangen kann? – Deswegen ist dieser Testdurchlauf, bei dem man testet, ob der Test gut ist, so enorm wichtig.

(Beifall bei der CDU/CSU – Kordula Schulz-Asche [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Es geht nicht um eine Gebrauchsanweisung!)

Lassen Sie mich zu meiner zurückkommen. Wir werden diese Selbsttests haben. Es ist davon auszugehen, dass bei 0,8 oder 0,9 Prozent der Tests ein positives Ergebnis vorliegen wird. Und dann ist es wichtig, dass diesen Tests nachgegangen wird, dass ein PCR-Test durchgeführt wird, dass in der Gebrauchsanweisung auch steht, wie man vorzugehen hat, wenn das Ergebnis positiv ist. Dafür müssen wir sorgen.

Wir haben in eine sehr gute Kapazität aufgebaut, was die Labore betrifft. Wir haben in die Möglichkeit, wöchentlich 2,4 Millionen PCR-Tests durchzuführen – eine enorme Leistung. Wir haben sehr leistungsfähige Labore. Wir können stolz darauf sein, dass wir so eine Infrastruktur haben. Es geht hier ja um einen Bereich, der oft im Schatten steht; denn einen Laborarzt oder die Labormitarbeiter insgesamt sieht man in der Regel nicht. Aber wir haben, de auch, was das Nachverfolgen und die Vollgenomsequenzierung betrifft, um herauszubekommen, um welche Virusvarianten es sich zum Beispiel t, wirklich sehr gute Labore und Kapazitäten. Darauf können wir stolz sein, und das ist gut so.

(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte noch mal ganz kurz auf das Thema Impfen eingehen, das auch der Kollege Klingbeil angesprochen hat.

(Dr. Andrew Ullmann [FDP]: Aber nicht auf der Tagesordnung steht!)

Keine Frage: Wir werden jetzt in eine Zeit kommen, in der die Kapazitäten, die die Bundesländer, die für die Impfzentren zuständig sind, für das Impfen bereitgestellt haben, nicht reichen werden, um die Impfstoffe zu verabreichen, die zur Verfügung stehen werden. Es ist eine positive Entwicklung, dass es mehr Impfstoffe gibt; das ist ja schön und gut. Aber jetzt müssen wir uns Gedanken machen: Wie kann man die Impfzentren leistungsfähiger machen? Auf der anderen Seite ist richtig, dass wir, wenn wir 3 bis 5 Millionen Impfdosen pro Woche haben, schauen müssen, wie wir die Hausarztpraxen einbinden können; das hat auch der Minister schon angesprochen.

Wir haben in der vorherigen Impfsaison kein Problem gehabt – es ist nicht einmal aufgefallen –, 14 Millionen Impfdosen im Bereich der Grippeschutzimpfung einfach mal so zu verimpfen; in dieser Saison waren es vielleicht über 20 Millionen. Wir sehen also: Wir haben mit den Hausarztpraxen ein enorm leistungsfähiges System. Dort geht es auch schneller; denn der Hausarzt muss sich im Gegensatz zu dem Arzt im Impfzentrum nicht erst anschauen, was das für ein Patient ist, welche Vorerkrankungen er hat usw., weil er das schon weiß. Damit können wir dort wesentlich schneller vorankommen. Wenn es gelingt, in jeder Hausarztpraxis ein, zwei Impftage einzuführen, dann können wir die Impfung einer großen Zahl von Patienten an diesen ein, zwei Tagen wunderschön durchziehen.

(Beifall bei der CDU/CSU)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, vielen Dank für die Aufmerksamkeit! Vielen herzlichen Dank an das Bundesgesundheitsministerium und an alle, die bei uns im Gesundheitswesen arbeiten! Ihr leistet Hervorragendes, damit wir gut durch diese kommen. Auch wenn es viel Prügel gibt, will ich an der Stelle auch sagen: Ihr macht wirklich einen tollen Job; macht bitte weiter so. Ich bin mir sicher, dass wir gut durch diese kommen werden.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU/CSU)