Digital Natives? Aufwachsen in der vernetzten Welt

B90Grüne Grüne Bundestagsfraktion / Stefan Kaminski

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Teilhabe von Kindern gewährleisten – Chancen der Digitalisierung nutzen

Die Auftaktimpulse zur Tagung kamen von Patricia Cammarata (rin und Elterngerin), Louisa Dellert (Influencerin und Unternehmerin) und Frik Riedel (App-Artist/Entrepreneur). Sie zeigten auf, wie junge Menschen die Digitalisierung für sich nutzen, um Austausch mit Gleichgesinnten zu finden, sich gesellschaftlich zu engagieren und das eigene Leben selbstbestimmt zu gestalten. Es herrschte große Einigkeit darüber, dass kein Kind von der digitalen Welt ausgeschlossen sein sollte.

Katja Dörner, stellvertretende svorsitzende der grünen s und Sprecherin für Kinder- und Familien, betonte, dass die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen nicht daran scheitern dürfe, dass manche junge Menschen ein Smartphone haben während andere sich keines leisten könnten.

Digitale Bildung als gemeinsame Aufgabe

Ein Ziel digitaler Bildung müsse sein, kompetent und kritisch mit Informationen und Angeboten in der digitalen Welt umzugehen und diese für sich nutzbar zu machen.

Katja Dörner betonte, dass Medienbildung nicht erst in der Schule ansetzen darf. Bereits im Kindergartenalter machten Kinder Erfahrungen mit digitalen Medien und sollten beim Erwerb erster Medienkompetenzen von Erzieherinnen und Erziehern unterstützt werden. Dafür müsse die Medienbildung bei Fach- und Lehrkräften strukturell verankert werden.

Während der Fachtagung wurde immer wieder auf die Vielzahl hochwertiger medien- und digitalpädagogischer Angebote hingewiesen. Diese müssten jedoch stärker gebündelt und bekannt gemacht werden. Marina Weisband, Expertin für Beteiligung und digitale Teilhabe, bekräftigte in diesem Zusammenhang die Forderung der grünen s nach einer „Bundeszentrale für digitale und Medienbildung“.

Kinderschutz im Netz verstärken

Kinder und Jugendliche seien auch im digitalen Raum besonders schutzbedürftig. Es wurde deshalb darüber diskutiert, was den Gefahren entgegensetzt werden könne, die für junge Menschen von Hate-Speech, Cybergrooming, extremistischem, gewaltverherrlichendem und pornografischem Content oder auch von vernetzten Spielzeugen ausgehe.

Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger unterstrich, dass verstärkter Kinderschutz in der digitalen Welt auch einer Stärkung der arbeit bedarf. Kinder dürften nicht permanent mit Unrecht im Netz konfrontiert werden, ohne dass dies Konsequenzen nach sich zieht. Um effektiver gegen Cybergrooming vorzugehen, schlug er vor, den Straftatbestand der sexuellen Belästigung auch auf verbale Formen von Belästigung auszuweiten.

Auch Anbieter müssen sich mehr engagieren

Es herrschte weitgehend Einigkeit darüber, dass Anbieter und Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung genommen werden sollten. Sie müssten mögliche Risiken ihres Angebots verständlich und altersgerecht erläutern. In Angebote, bei denen klar ist, dass sie auch von Kindern und Jugendlichen genutzt werden, gehörten von Anfang an altersgerechte Grundeinstellungen.

Jutta Croll, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Digitale Chancen, verwies auf „Die Leitlinien zur Achtung, zum Schutz und zur Verwirklichung der Rechte des Kindes im digitalen Umfeld“, die 2018 vom Ministerkomitee des Europarates verabschiedet wurden und Teilhabe, Förderung und Schutz von Kindern im digitalen Raum stärken sollen.

Die  Veranstaltung machte deutlich, dass die Verwirklichung der Kinderrechte in der vernetzten Welt ein gesamtgesellschaftliches Projekt ist, an dem sich nicht zuletzt auch Kinder und Jugendliche beteiligen können müssen.

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