Teufel über Notre Dame: Wie die Christen ihre Kathedrale zurückerobern können

Weite Teile Europas haben vor dem Islam kapituliert, in Frankreich herrscht ein Kalifat, die letzten Christen in Paris vegetieren in Ghettos vor sich hin – in ständiger Angst vor der Scharia-Polizei: Das ist das düstere Hintergrund des Zukunftsthrillers „Die Moschee Notre-Dame. Anno 2048“. Doch die russische Autorin hat nicht nur die Apokalypse beschrieben, sondern auch die Auferstehung.In den Katakomben der Résistance.

Den Roman habe ich verschlungen – und das will etwas heißen, denn als COMPACT-Chefredakteur habe ich eigentlich null Zeit für Belletristik. Absolute Leseempfehlung!! Sie können das Buch in unserem Online-Shop bestellen.

In den Katakomben der Résistance

_ Jelena Tschudinowa im Gespräch mit Jürgen Elsässer (für COMPACT-Magazin 1/2018)

?Frau Tschudinowa, in Ihrem Buch wird der Aufstand gegen das Kalifat in Frankreich unter anderem von dem serbisch-russischen Agenten Slobodan angeführt. Warum haben Sie diese Figur gewählt? Oder allgemeiner gefragt: Glauben Sie, dass die Widerstandskraft Westeuropas im Kampf gegen die Islamisierung zu schwach ist, wenn nicht das slawisch-orthodoxe Element zu Hilfe kommt?

Ich persönlich bin Katholikin und Traditionalistin. Aber ich bin auch Russin. Ich erinnere mich daran, dass zu Anfang des 19. Jahrhunderts, als die Welt nach dem grausamen Kriegen Bonapartes in Ruinen lag, mein Land durch seinen Herrscher einen wundervollen und großartigen Anfang vorgeschlagen hat: die Heilige Allianz. Ihr Prinzip: Ein Christ zieht nicht gegen einen anderen Christen in den Krieg. Wenn Europa im 20. Jahrhundert den gleichen Weg eingeschlagen hätte, wie viel Leid wäre uns erspart geblieben! Aber es ist noch nicht zu spät. Mein neues Buch „Die Gewinner“ handelt vom Traum einer Zweiten Heiligen Allianz. Ich bin gegen die Ökumene, aber  politisch und im Sinne des Wertekanons sollte es einen Schulterschluss der christlichen Völker geben.

Die balkanische Büchse der Pandora
?Nochmal zu Slobodan: Warum haben Sie gerade einen Serben zu einer Zentralfigur gemacht?  Weil für Sie der Vorstoß der Muslime in den 1990er Jahren auf dem Balkan das Vorspiel zum Dschihad gegen Europa war?

Einen Hauptprotagonisten gibt es in dem Buch nicht. Vielmehr gibt es mehrere Protagonisten entsprechend den zu vermittelnden Botschaften. Aber ja, Sie haben den Grund für das Auftauchen der Figur Slobodan in meinem Roman richtig erraten. Wir in Russland wissen so einiges über das Kosovo: ein Knotenpunkt für Drogenhandel, ein Zentrum für den Handel mit menschlichen Organen, wofür unschuldige Opfer gekidnappt werden. Und die Bombardierung Belgrads durch die NATO 1999?! Ich weiß nicht, warum Russland die Serben nicht beschützt hat. Kosovo ist das heilige christliche Gebiet des serbischen Volkes. Es ist aber verloren. Was werden wir noch verlieren? Poitiers? Reims?

?In Ihrem Roman finden im Aufstand gegen das Kalifat zwei Kräfte zusammen: die Christen in den Katakomben von Paris und die Partisanen des Maquis, die nicht oder nicht besonders religiös sind. Ist das nicht ein eine Art Querfrontvon Anhängern Jeanne d’Arcs und von Robespierre?

Der ungläubige junge Mann in meinem Roman ist nicht nur bereit, für die Kathedrale zu kämpfen, sondern auch mit ihr zu fallen, und dient schließlich das erste Mal in seinem Leben als Messdiener im Gottesdienst. Der tragende Gedanke dabei ist, dass die noch gestern ungläubigen Maquisards heute im Kampf um die Kathedrale sterben. Wir dürfen uns nicht von Nichtgläubigen distanzieren, sondern sie durch das das Beispiel eines christlichen Lebens bekehren.

?Mir scheint, als ob sich dieses Bündnis zwischen gläubigen Orthodoxen und ungläubigen Revolutionären bereits realisiert hat, und zwar im Donbass. Dort kämpfen Sowjetnostalgiker und Neozaristen Schulter an Schulter für die neue Volksrepublik und gegen den NATO-Faschismus des Kiewer Regimes.

Ich muss mit großem Bedauern sagen, dass diese Konstellation im Donbass viel mehr das Jahr 2014 widerspiegelt als das Jahr 2017. 2014 sind Anhänger der Weißen Bewegung und Monarchisten mit Stalinisten und Nationalbolschewiken zusammen in den Kampf gezogen. Aber die Bedingung dafür war, dass die ersteren die unbestrittene Führung innehatten. Ich persönlich kenne einen Kommandanten der Donbass-Volksmiliz, Igor Borisowitsch Iwanow, das Oberhaupt der ROVS, der Russischen Militärunion – einer Organisation, die im Bürgerkrieg gegen die Roten 1920 vom „weißen“ Baron Baron Wrangel gegründet worden war. In Slawjansk (umkämpfte Stadt im Donbass) gab es 2014 gemeinsame Moleben (Bittgottesdienste) und Prozessionen mit Heiligenbildern – das war eine romantische Periode. In Slawjansk sind damals alle Vorräte an Spirituosen auf dem Asphalt zerschlagen worden, denn der russische Soldat soll nüchtern sein! Die kleinsten Plünderungen wurden sehr hart bestraft. Aber das war „zur Zeiten der der Weißen“. Jetzt ist die Herrschaft „errötet“. Anstatt der Helden haben haben wir heute einen Schriftsteller-Kommunisten Sachar Prilepin, der schicke Fotos in Schützengräben und eigene PR-Arbeit mit russischem Blut macht. Unter roten Führungskräften wird es keinen russischen Sieg geben. Viele der Weißen und der Monarchisten sind im Donbass geblieben – ohne jede Hoffnung auf einen Sieg, aber zum Schutz der Alten und der Kinder, die fast täglich bei ukrainischen Bombenangriffen ums Leben kommen. Alles ist ziemlich kompliziert in der ((Donbass-Volksrepublik)) Noworissija. Es ist eigentlich ein eigenes Thema – ein riesiger russischer Schmerz.

Die Russen kommen!

?Ihr Roman endet mit dem geplanten und erfolgreichen Rückzug der Christen aus Paris, vermutlich in den Untergrund auf dem Land: eine neue Resistance. Doch die historische Resistance im 2. Weltkrieg siegte nur, weil die Alliierten von außen zu Hilfe kamen, und wo diese Hilfe fehlte, wie bei der Vendée während der Französischen Revolution, scheiterten die Aufständischen. Wer also wird dem Widerstand gegen das europäische Kalifat dereinst zu Hilfe kommen? Russland?

Sie haben Recht: Ohne Hilfe gehen die Chouans (monarchistische Aufständische gegen die französische Revolution) aller Epochen/Zeiten zu Grunde. Aber ich will ganz direkt antworten. Erinnern Sie sich an den Dialog meiner Romanfiguren Eugène-Olivier und Jeanne? Der Junge sagt bei der Flucht aus Paris: „Wir kehren in Panzern zurück.“ – „In russischen Panzern?“, fragt Jeanne zögerlich. Sie hatte Russen niemals kennengelernt. „Sophia (eine Kommandantin der Aufständischen) ist Russin“, beruhigte sie der Junge. „Nun, wenn alle Russen so sind, dann ist ja gut.“

Aber dieser Dialog ist einer zwischen zwei Kindern – keine Prognose, sondern eine Wunschvorstellung. Mein russischer Traum ist es, dass wir es sein werden, die alle retten. Aber jetzt ist es noch weit bis 2048, und wir wissen nicht, welches Land als erstes die christliche Vernunft zum Ausdruck bringt. Und ist das eigentlich überhaupt wichtig?

? Kann Europa auf Russland hoffen?

Ich finde, dass Russland sich nur teilweise von der westlichen Umklammerung lösen konnte. Wenn man das mit den Zeiten Jelzins vergleicht, dann ja, mit Sicherheit… Zur Zeit gibt es keine vollkommene Preisgabe unserer Positionen, deshalb ist Putin beliebter als Jelzin. Aber um von einer Rückkehr zu einem eigenständigen politischen Kurs zu sprechen, ist es noch zu früh. In der Donbass-Frage nimmt Russland jedoch Rücksicht auf den Westen. Es gäbe ansonsten keine „Volksrepublik Donezk“ und keine „Volksrepublik Lugansk“ (die prorussischen Gebiete im Donbass), sondern einfach nur Russland – so wie es das Volk in Donbass will.

_ Jelena Petrowna Tschudinowa, geboren 1959 in Moskau, ist eine russische Schriftstellerin, Dramaturgin, Publizistin und Journalistin. Ihren ersten Roman „Der Zeichenhalter“, der von einem künftigen Bürgerkrieg handelt, verfasste sie noch vor der Perestroika. 2005 erschien ihr Werk „Die Moschee Notre-Dame. Anno 2048“, welches nun 2017 auch in deutscher Sprache publiziert wurde. Die FAZ schrieb herablassend von einem „Roman, der im Genre eines antiutopischen Pop-Märchens das ‚Eurabische‘ Sznario ausmalt“. Das Buch ist auch über compact-shop.de erhältlich und wird von uns bei der Leipziger Buchmesse im März in Anwesenheit der Autorin vorgestellt. – Übersetzung des Interviews: Katrin Nolte.

Moskwabad

„Die Bewohner der ((Moskauer)) Vorstadt Tekstilschtschiki kämpfen gegen den Beschluss der Behörden, auf ihrem Parkgelände eine Moschee zu errichten. Blogs wettern gegen das Hammelschlachten zu Urasa-Bayram auf offener Straße und warnen, die russische Hauptstadt könne sich in ein ,Moskwabad‘ verwandeln. Eine Wortführerin dieser Skepsis ist die radikale russische Islamkritikerin Jelena Tschudinowa, die (…) die antiutopische Vision eines islamisierten Europas ausgemalt hat (…). Frau Tschudinowa fordert, muslimische Einwanderer dürften nur in so kleinen Gruppen ins Land gelassen werden, dass sie gar nicht anders könnten, als sich zu assimilieren. Denn europäische Menschen seien viel atomisierter als die klanorientierten Muslime. Weshalb bei einem freien Wettbewerb der Kulturen jene stets im Nachteil wären. Heute billige Arbeitskräfte würden die Gemeinschaft morgen teuer zu stehen kommen, sagt die kämpferische Christin: Spätestens deren Nachkommen dürften vor allem den Steuerzahler belasten und mit islamistischen Terroristen sympathisieren.“ ($Frankfurter Allgemeine Zeitung$, 9.11.2010)