Notre Dame: Das Inferno in den Köpfen › Jouwatch

<imgsrc=““ alt=““ title=“Fire at Notre Dame in Paris People look at blaze hit Notre Dame Cathedral in Paris on April 16 2019″/> Foto: Imago

Paris – Muss man wirklich alles glauben, was die gleichgeschalteten Medien über Notre Dame schreiben? Und warum sind atheistische linksgrüne Eliten plötzlich so entsetzt und blasen eine Kathedrale mit dem Rang einer etwas aufgewerteten Stadtkirche zum wichtigsten Heiligtum Frankreichs auf? Sind sie am Ende klammheimlich froh, dass im inzwischen muslimisch geprägten Paris ein christliches Symbol „untergegangen“ ist? Warum soll die Reparatur der Schäden Jahrzehnte dauern, wie ein deutscher „Experte“ vermutet? Wer sich mit der Geschichte gotischer Kathedralen auskennt, könnte noch unangenehmere Fragen stellen. Der Rest kennt die frühgotische fünfschiffige Notre Dame eh nur vom Paris-Kurztrip oder aus dem Film „Der Glöckner von Notre Dame“.      

Für den großen Pionier der Psychoanalyse C. G. Jung deuten Träume von Dachstuhlbränden auf schwere hysterische Störungen hin. Die Patienten flüchten panisch in ihren Kopf, anstatt sich mit den Ängsten und Komplexen ihres Unterbewussten auseinandersetzen. Alfred Hitchcock, ein großer Verehrer Jungs hat eine solche beängstigende Dachstuhlszene – das Chaos im Kopf – in seinem Film die „Vögel“ festgehalten, als die versammelten Krähen und Möwen über Melanie herfallen.

Nun brennt der Dachstuhl der Kathedrale in Paris und hinterlässt eine kollektive Hysterie, die bereits kurz nach Ausbruch des Feuers beginnt und sich mit der gleichen Geschwindigkeit wie die Flammen auszubreiten scheint. Noch ehe die Flammen gelöscht sind, wird beinah reflexartig Brandstiftung oder gar ein Terrorakt ausgeschlossen. Dafür überschlagen sich die Meldungen in den Medien über den Verlust des scheinbar bedeutendsten Kulturdenkmals Frankreichs. „Notre-Dame in Paris brennt – Bundesregierung: Notre-Dame ist Symbol unserer europäischen Kultur“, textet die FNP. Also nicht nur Symbol Frankreichs, sondern gleich Europas. Andockend an die Aussage von Merkels Sprechpuppe Seibert: „Notre-Dame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden.“ Ähnlich klingen auch andere Überschriften. Dabei entsteht zeitweise sogar der Eindruck, die Kathedrale wäre völlig ausgebrannt, für immer vernichtet.

In den Medien werden die Schäden immer größer und die „Wiederaufbauzeit“ immer länger

Parallel dazu schießen Expertenmeinungen wie Pilze aus dem Boden. „Wiederaufbau von Notre-Dame wird Jahrzehnte dauern“ zitiert der Deutschlandfunk den Kölner Dombaumeister. Jahrzehnte? 1942 wurde die etwa gleichgroße, aber zehn Meter höhere Marienkirche in Lübeck durch einen Fliegerangriff schwer beschädigt. Brandbomben durchschlugen nicht nur das Dach und die Deckengewölbe, sondern verwandelten das gesamte Kircheninnere in einen über 1000 Grad heißen Schmelzofen. Die gewaltigen über 42 Meter hohen Säulen aus Backsteinen brannten und glühten, verformten sich und blieben stehen. „Noch während des Krieges wurde die Marienkirche von einem Notdach geschützt und das Chorabschlussgewölbe wiederhergestellt. Der eigentliche Wiederaufbau begann 1947 und wurde zwölf Jahre später größtenteils abgeschlossen.“ Kann man bei WIKIPEDIA nachlesen. Bereits 1951 am Anfang der Adenauer-Ära konnte unter dem wiederhergestellten Dach die 700-Jahr-Feier der Kirche begangen werden. Im Klartext: Nach vier Jahren war die Kirche wieder funktionsfähig! In einer Zeit der wirtschaftlichen Not. Und vor allem ohne die Gerätschaften, die heute bei Bauvorhaben zur Verfügung stehen. Das Wichtigste war wohl der Wille, das christliche Wahrzeichen Lübecks, die Mutter aller großen Backsteinkirchen (Wismar, Rostock, Stralsund, Danzig, Bad Doberan, Schwerin…) wieder neu entstehen zu lassen. Warum soll eine beschädigte Kathedrale nach einem Dachstuhlbrand eine ewig lange „Wiederaufbauzeit“ beanspruchen? Inzwischen geht man, laut Macron, von einer Reparaturdauer von fünf Jahren aus. Nachdem das eingstürzte Gewölbe an der Vierung geschlossen ist, könnte rein theoretisch die Kathedrale wieder benutzt werden. Ein Notdach kann für die Zeit der Reperatur die blank liegenden Kreuzrippen vor Witterungseinflüssen schützen.

Allein das Wort „Wiederaufbau“ mutet befremdlich an. Das wichtigste einer Kathedrale sind die Pfeiler, die das Deckengewölbe tragen. Die sind in der Regel – auch in Notre Dame – mindestens zwei Meter dick. Massiver Kalkstein. Von außen halten meterdicke Pfeilervorlagen die Außenstreben, da die Wände, wegen der großen Glasfenster nicht so stark ausfallen. Insgesamt ist die frühgotische Kathedrale, anders als ihre hochgotischen Nachfolger gedrungener und massiger, also mehr auf Stabilität ausgerichtet. Ihr Rang wird daher von Kunsthistorikern geringer eingestuft als zum Beispiel Chartres, dessen Mittelschiff nicht nur vier Meter höher, sondern auch gleich um vier Meter breiter ist. Ebenso Bourg und erst recht Reims. Die letzte genannte Kathedrale stellt Notre Dame komplett in den Schatten, auch in politischer Hinsicht, denn hier wurden die französischen Könige gekrönt. Außerdem ist Reims Sitz eines Erzbischofs, Notre Dame Paris dagegen war bis 1622 ein einfacher Bischofssitz des Erzbistums Sens. Stand sogar im Schatten der Abteikirche von Saint Denis, der Grabstätte aller französischen Könige. Dank Abt Suger ist St. Denis die Gründungskirche aller französischen Kathedralen. Völlig architektonisch angehängt wird Notre Dame durch die Notre Dame in Amiens, die mit ihrer 145 Meter Außenlänge und 42 Meter Höhe das direkte Vorbild für Köln wurde.

Auch die Kathedrale Saint-Étienne in Metz, das bis 1552 zu Deutschland gehörte, stellt die Pariser Kirche komplett in den Schatten.  Gegenüber all den genannten Kathedralen besaß Notre Dame lange den Rang einer besseren Stadtkirche, sowohl in politischer als auch in spiritueller Hinsicht. Dies ist nicht verwunderlich. Paris war immer ein weltliches Zentrum. Der Bischof spielte in der Metropole eine Nebenrolle. Lediglich die Universität machte Paris zu einem wichtigen Zentrum theologischer Gelehrsamkeit. Albertus Magnus, Bonaventura und Thomas von Aquin gaben sich hier die Klinke in die Hand. Aber die Kaderschmiede europäischer Gelehrsamkeit fungierte unabhängig von der Kathedrale.

Notre Dame ist vor allem eine Medienkathedrale und politische Kulisse

Notre Dame erfuhr ihre Aufwertung erst durch Napoleon, der sich hier „medienwirksam“ krönen lies, in Anwesenheit durch den herbeizitierten Papst. Seitdem ist Notre Dame eine Art politisches Symbol, aber kein spirituelles. Das haben auch die Linksfaschisten der französischen Kommune erkannt, als sie 1864 den damaligen Erzbischof kaltblütig hinrichteten und aus Stühlen ein Feuer im Inneren entfachen wollten. Das konnte gerade noch verhindert werden. 30 Jahre zuvor erschien Victor Hugos Roman „Glöckner von Notre Dame“. Der literarische Erfolg eines romantischen Salonkommunisten und gleichzeitig bürgerlichen Napoleon-Freundes. Er wäre unter Macron wahrscheinlich heute Kultusminister. Seit Napoleon und Victor Hugo ist Notre Dame vor allem eins: Eine Medienkathedrale. Künstler mit Tiefgang, wie Monet machten einen Bogen um sie und malten lieber den Dom von Rouen, dessen aufgemotzter Vierungsturm erst an Höhe durch den Kölner Dom übertroffen wurde. Monet und andere überließen das Wahrzeichen von Paris lieber den Kitsch und Postkartenmalern, und sie hatten recht.

Notre Dame ist daher nicht nur Medienkathedrale und politische Kulisse, sondern auch symbolisch überfrachtet. In dieser Hinsicht hat sie Ähnlichkeiten mit dem Kölner Dom, den erst die Preußen in Konkurrenz zum Erzfeind Frankreich zu dem gemacht haben, was er heute ist, ein Symbol für den deutschen Katholizismus. Auch er ist politisch überhöht. Und darum von „Haftmienen“ umgeben. Zerstört man Symbole, zerstört man ein System. Umso leichter, wenn dieses System selbst dekadent morsch und morbide und von Selbsthass zerfressen, sich wie das Ancien Regime, nach Auslöschung sehnt. Eine wichtige Frage bleibt. Warum überstehen uralte Eichenbalken Jahrhunderte, angefangen vom hundertjährigen Krieg, der Französischen Revolution, die Kriege von 1815 und 1871, den ersten Weltkrieg und den Zweiten, die Revolte von 1968 und gehen dann im Hightech-Zeitalter 2019 in Flammen auf? Das ist seltsam. Woran liegt es?

Ein Arbeitsunfall? Was würde wohl Villard de Honnecourd dazu sagen?

Früher wurden zu Arbeiten an Kathedralen nur ganz bestimmte Handwerker herangezogen. Sie waren nicht nur in einer christlichen Zunft, sondern sogar in einer „Bruderschaft“ in einer „Bauhütte“ organisiert, den Franc Macon. Sie waren Steinmetze, aber auch Künstler. Ihr Wissen um Statik, Architektur aufbauend auf Vitruv und antikem Erfahrungsschatz, verlies selten die Mauern der sakralen Baustelle. Auch heute noch wird das einzig erhaltene Bauhüttenbuch von Villard de Honnecourd wie ein Nationalheiligtum in Paris aufbewahrt. Es hat für die Franzosen den gleichen Stellenwert wie die Gutenbergbibel. Kurz gesagt: Die Arbeit in einer Bauhütte war kein Job, sondern Berufung. Aber ist das heute noch so? Turnen heute die gleichen Leute auf den Gerüsten herum, wie zu Zeiten von Villard? Wer arbeitet dort? Ist dazu noch ein christliches Bekenntnis nötig? Ist die Achtsamkeit vorhanden, dass man sich an einem heiligen Ort und nicht auf einer Großbaustelle in Dubai bewegt? Kann nicht auch ein absichtlich herbeigeführter „Unfall“ eine Brandkatastrophe auslösen? Hat am Ende sogar ein der christlichen Religion feindlich gesinnter Mensch die Möglichkeit, an solch einer Bauhütte anzuheuern? Werden die Bauarbeiten oder Restaurierungsarbeiten am Ende sogar ausgeschrieben nach dem Motto „Je billiger je besser“? Woher kommen die Arbeiter? Aus Algerien und Marokko?

Diese „Gretchenfragen“ stehen im Raum und könnten unter anderem Licht ins Dunkel bringen, warum die Kathedrale all die Jahrhunderte heil überstanden hat und nun ausgerechnet in der Karwoche wie eine Fackel loderte. Der Brand hat Symbolcharakter. Der Jubel in der muslimischen Community lässt daran keinen Zweifel. Die geschätzte Wiederaufbauzeit von „Jahrzehnten“  lässt beinah eine Wunschvorstellung vermuten. Hoffen einige insgeheim auf das Ende der christlichen Ära in Frankreich. Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ scheint Wirklichkeit zu werden. „Lass es wie ein Unfall aussehen!“ war das geflügelte Wort der Mafia-Paten. Die haben manchen zur Hölle geschickt, aber niemals eine Kathedrale angezündet. Nicht einmal eine Dorfkirche.

Racheakt für Christchurch?  

Ich habe zwischen 1983 und 1987 mehr oder weniger in Paris gewohnt und im Laufe der Jahre fast alle französischen Kathedralen – schätzungsweise an die 70 – besichtigt. Damals gab es noch keine langen Besucherschlangen vor Notre Dame. Trotzdem habe ich die Kathedrale selten besucht. Bereits in den achziger Jahren kam sie mir irgendwie „entseelt“ vor. Das lag an dem ständigen Blitzlichtgewitter japanischer, englischer und amerikanischer Touristen und dem Geraune selbsternannter Kunstexperten. Aber auch ohne sie fand ich Notre Dame bedrückend, als ob ein Fluch auf ihr lastet. Meine Lieblingskirche war St. Eustache in der Nähe des Centre Pompidou. Auch Saint Sulpice habe ich des Öfteren besucht. Interessanterweise hat es dort, von der gleichgeschalteten Presse ziemlich totgeschwiegen, erst vor wenigen Wochen gebrannt. Zwei Kirchenbrände innerhalb von vier Wochen. Noch merkwürdiger – die Kirche brannte am 18. März, fünf Tage nach dem Anschlag auf die Moschee in Christchurch. Zufall oder Racheakt? Und nun brennt ein Dachstuhl ausgelöst durch Schweißarbeiten? Die größte Untugend ist die Unwissenheit pflegte der von mittelalterlichen Scholastikern hochverehrte, neuplatonische ägyptische Philosoph Hermes Trismegistos zu sagen. Eine noch größere Untugend ist die Lüge.

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