Umfrage kurz vor Stichwahl: Selenskij liegt 47 Prozentpunkte vor Poroschenko

Wladimir Selenskij

Kurz vor der Stichwahl im ukrainischen Präsidentschaftswahlkampf nennen die Umfragen schon den Sieger: den Komiker Wladimir Selenskij. Fast uneinholbar scheint die Differenz in der Wählergunst. Auch bei Umfragen zu den Parlamentswahlen ist die Selenskij-Partei führend.

Am Vorabend des zweiten Wahlgangs liegt Wladimir Selenskij 47 Prozentpunkte vor seinem Mitbewerber, dem amtierenden Präsidenten Petro Poroschenko. Dies belegen die Ergebnisse der Umfrage des Kiev International Institute of Sociology (KIIS), die am Dienstag veröffentlicht wurden.

Laut der Umfrage, die vom 9. bis 14. April durchgeführt wurde, wird Selenskij von 72,2 Prozent der entschlossenen Wählern unterstützt, Poroschenko nur von 25,4 Prozent der Befragten. Gleichzeitig gaben 2,4 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass sie zur Wahl kommen, aber den Wahlzettel ungültig machen würden. Im Rahmen der Umfrage wurden 2.004 Personen in 129 Ortschaften aller Regionen der Ukraine befragt. Die Fehlerquote liegt bei 3,3 Prozent.

Der Vergleich mit der Umfrage der soziologischen Gruppe „Rating“ vor einer Woche zeigt, dass die Unterstützung von Selenskij in den letzten Tagen leicht zugenommen hat und die Zahl derjenigen, die bereit sind, für Poroschenko zu stimmen, leicht zurückgegangen ist. So planten 71 Prozent derjenigen, die an der Wahl teilnehmen wollen, vor einer Woche für Selenskij zu stimmen, während 29 Prozent planten, dies für Poroschenko zu tun.

Auch die Selenskij-Partei „Sluga naroda“ (Diener des Volkes) kann derzeit auf die höchste Unterstützung der ukrainischen Wählerschaft zählen. Laut der am Dienstag veröffentlichten KIIS-Umfrage sind fast 26 Prozent der Befragten bereit, bei den Parlamentswahlen im kommenden Herbst für sie zu stimmen.

Nach der aktuellen Umfrage haben derzeit sechs Parteien die Chance im Parlament Werchowna Rada die Schwelle von fünf Prozent zu überschreiten und ins Parlament einzuziehen. Darüber hinaus liegen zwei Parteien knapp unter dieser Schwelle.

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So waren unter den entschlossenen Wählern 25,9 Prozent der Befragten bereit, für die erst seit wenigen Monaten existierende Partei „Diener des Volkes“ (benannt nach der gleichnamiger TV-Serie, in der Selenskij den ukrainischen Präsidenten spielt) zu stimmen. Weiter hätten für die Partei des Oppositionsblocks „Für das Leben“ 15,7 Prozent, den Block von Petro Poroschenko „Solidarität“ 13,9 Prozent, „Vaterland“ von Julia Timoschenko 12,1 Prozent, „Zivilposition“ von Anatolij Gritsenko 5,1 Prozent, „Macht und Ehre“ 5 Prozent gestimmt. Darüber hinaus bekommt die Radikale Partei von Oleh Ljaschko die Unterstützung von 4,8 Prozent der Wähler, während die nationalistische Swoboda 4,6 Prozent hat.

Nach Angaben des KIIS werden 2,3 Prozent der Wähler für die Oppositionsblockpartei, 1,5 Prozent für den Swjatoslaw Wakartschuk-Block, 1,4 Prozent für den Selbsthilfe-Verband, 1,1 Prozent für die Naschi-Partei und 1 Prozent für die UKROP-Partei stimmen. Die nächsten Wahlen zur Werchowna Rada sind für den 27. Oktober geplant.

Diese Umfrage zeigt das Erstarken des Oppositionsblocks „Für das Leben“. Die Partei hat ihre Wählerbasis im russischgeprägten Südosten des Landes. Viele der jetzigen Mitglieder der Partei waren früher Abgeordnete der nach dem Maidan zerschlagenen „Partei der Regionen“ von Ex-Präsident Wiktor Janukowitsch. Laut dieser Umfrage, könnten die beiden Zweige des einstigen Oppositionsblocks zusammen auf 18 Prozent der Stimmen kommen. Im amtierenden Parlament haben die beiden Parteien zusammen nur 10,4 Prozent der Sitze. 

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