Flattires for Future! – Tipps für Greta & Co, vom Osterhasen

Nachdem Greta & Co. am 8. April ihre Forderungen an die Politik vorgetragen haben, mischt sich nun – aus aktuellem Anlass – der Osterhase persönlich in die Klimadebatte ein. Mit einigen echt hilfreichen Tipps.

_ von Phil Mehrens

Liebe Greta, wer glaubt, durch Schulschwänzen die Welt retten zu können, der glaubt bestimmt auch noch an den Osterhasen. Klein genug dafür bist du ja. Deswegen melde ich mich – es ist schließlich meine Zeit – jetzt einfach mal zu Wort, leider zunächst mit einer schlechten Nachricht: Die Lizenz zum Schulschwänzen gehört leider nicht zu den Überraschungseiern, die ich dieses Jahr im Köcher habe und in Gärten verstecke, damit Kinder sie am Ostermorgen finden und sich freuen. Brave Kinder, versteht sich. Für die wurde ich schließlich erfunden.

Natürlich kann man mal schnell nach Berlin hoppeln, eine CO2-Steuer und die Stilllegung von Kohlekraftwerken fordern. Man kann auch Freitagsfreischokolade für alle unter 18 verlangen. Aber natürlich nur, wenn man vorher brav war. Brave Kinder gehen in die Schule, damit sie das lernen können, was sie später, wenn sie groß sind, brauchen, um einer Diskussionsrunde bei Anne Will folgen zu können. Bildung und Wissen gehören leider nicht zu den Dingen, die ich bequem im Köcher mit mir herumtragen und einmal im Jahr in den Gärten eurer Eltern fallen lassen kann.

Bildung und Wissen erwirbt man in der Schule. Auch freitags, wenn das Wochenende nah ist und ihr euch auf den Schulstoff am liebsten ein Ei backt. Nun aber die gute Nachricht: Bildung wird euch geschenkt. Darin immerhin gleicht sie den Eiern, die ich jedes Jahr so schön verteile. Und genau wie meine bunten Eier – ich weiß gar nicht, ob ich das verraten sollte, aber nun ist es raus – wird auch das vielfältige Bildungsangebot an deutschen Schulen von euren Eltern bezahlt. Über Steuern. Das ist eine komplexe Materie und damit ihr die eines Tages versteht und in Diskussionen mit Klugschnackern wie Christian Lindner über CO2- und andere Steuern nicht älter ausseht, als ihr seid, dafür gibt es eben die Schulen.

Berlin am sogenannten Friday for Future: Kleine Mädchen im Klimawahn. Greta macht das Jungvolk kirre. Foto: SvM/COMPACT

In anderen Ländern träumen Kinder davon, in die Schule gehen zu dürfen. Aber stattdessen müssen sie in Müllbergen nach verwertbaren Gegenständen suchen, weil ihr Staat nicht so gut für seine Bürger sorgt wie der, in dem ihr das Vorrecht habt zu leben. Ganz bestimmt wären diese Kinder sogar bereit, für das Recht, eine Schule besuchen zu dürfen, auf die Straße zu gehen. Aber sie haben keine Zeit, denn sie müssen sich im Müllberg ihr täglich‘ Brot verdienen. Jeden Tag. Auch freitags.

Ob das Klima wie meine vom Aussterben bedrohten Feld-, Wald- und Wiesenkollegen Luchs und Wildkatze unter besonderen Schutz, den „Klimaschutz“, gestellt werden muss, da habe ich auch meine Zweifel, ich fürchte sogar, das Klima wird uns am Ende alle überleben! Aber, klar, eine gesunde Umwelt ist wichtig. Ich als Hase weiß, wovon ich rede: Im letzten Sommer gab es für meinen Geschmack viel zu wenig grüne Wiesen. Aber niemand, lasst euch das von einem alten Hasen gesagt sein, hört auf Kinder, die nicht mal klug genug sind, um zu erkennen, was für ein gewaltiges und schützenswertes Privileg kostenlose und zugleich hochwertige Schulbildung ist.

Ihr meint, dass euch niemand beachten würde, wenn ihr eure Demonstrationen vom Freitag auf den Sonnabend verlegen würdet? Liebe Kinder, lasst euch von mir, der ich gewohnt bin, artige von unartigen Kindern zu unterscheiden, sagen: Der erste Schulstreik, den ihr ausnahmsweise in die Schulzeit verlegt habt, um auf euer wichtiges Anliegen aufmerksam zu machen – geschenkt. Betrachten wir diesen ersten Freitag einfach als Osterei, auf das einer aus Versehen draufgetreten ist. Kommt vor. Soll sich aber natürlich nicht wiederholen. Denn, wie gesagt, Ostereier und Bildung haben gemeinsam, dass sie euch zwar nichts kosten; aber bezahlt werden müssen sie trotzdem.

Klar, ihr habt durch den Streik ganz viele Zeitungsschreiber und Fernsehreporter und Politiker auf eure Seite gebracht. Es sieht jedenfalls so aus. Dass die in Wahrheit schon vorher auf eurer Seite standen – auch geschenkt. Nun habt ihr eure Aufmerksamkeit und das ist auch gut so. Doch jetzt müsst ihr darüber nachdenken, wie ihr Menschen wie den naseweisen FDP-Onkel Kubicki und Jungspund Christian Lindner davon überzeugen könnt, dass es euch wirklich um mehr geht als kein‘ Bock auf Schule und nebenbei noch schnell die Welt retten.

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Verdient euch eure Ostereier, denn die gibt’s nur, ihr wisst das jetzt, für brave Kinder, und verlegt eure Anarcho-Wandertage durch deutsche Innenstädte auf den Samstag. Glaubt mir, wenn ihr den Tag opfert, den ihr sonst zum Zocken im Internet, für die Playstation, für Fußball, Reiten oder Abhängen mit den Kumpels nutzt, und nicht den durch die Schulpflicht diskreditierten Freitag (an dem ihr später, im wahren Leben, auch nicht einfach blau machen könnt), werdet ihr gleich viel glaubwürdiger.

Wenn ihr eure Freizeit aufopfert und nicht eure Lernzeit, dann können Onkel Kubicki und sein Porsche fahrender Juniorpartner wenigstens nicht mehr behaupten, ihr hättet ja bloß keine Lust zum Lernen. Die beiden Onkels von der FDP oder Frau Weidel von der AfD helfen euch bestimmt auch gern dabei, mal auszurechnen, wie lange eure Väter oder eure Mütter arbeiten müssen, um das Geld zu erwirtschaften, das ein einziger Schultag in Deutschland kostet und wie viel Geld sinnlos verbrannt wird (also jetzt nicht im wörtlichen Sinn, keine Angst), wenn ein Schultag stattfindet, aber niemand geht hin.

Und schließlich, liebe Greta, liebe Kinder, noch ein paar Tipps vom Osterhasen, der es wirklich gut mit euch meint: Demonstrationen mit Appellen an abstrakte Personen da oben irgendwo in den fernen Sphären von Wirtschaft und Politik sind in etwa so wirkungsvoll wie eine Fastenzeit, in der man auf alles verzichtet außer auf Schoko- und Zucker-Ostereier. Veränderung beginnt nicht in abstrakter Ferne, sondern in konkreter Nähe, vor und hinter der eigenen Haustür. Dein konkreter Appell an Filmschaffende und Künstler anlässlich der Verleihung der Goldenen Kamera, ja, liebe Greta, der war ein Schritt in die richtige Richtung. Du scheinst durchschaut zu haben, dass es leichter ist, ein vergoldetes Stück Silber aus der Hand zu geben als seine Gewohnheiten zu ändern.

Aber ich muss dir leider mitteilen: Ich glaube nicht daran (und, wie gesagt, ich bin ein alter Hase), dass ein einziger der vornehm gekleideten Herrschaften, die dir da ordentlich Beifall gezollt haben, ein Rollenangebot für die nächste Episode des „Traumschiffs“ oder für die nächste Pilcher-Verfilmung oder die Teilnahme an einem internationalen Sportwettbewerb oder einen amerikanischen Filmpreis ablehnen würde, nur weil er sich dafür in ein kerosinbetriebenes Flugzeug setzen müsste. Ich glaube, diese Leute würden noch nicht mal morgens kalt statt warm duschen, um ihre miserable CO2-Bilanz aufzuhübschen.

Anders als die Pseudo-Klimaschützer aus Film, Funk und Fernsehen, die zur besonderen Gattung der von der Realität entrückten Eliten gehören und auf heiße Schaumbäder oder Duschen garantiert nicht verzichten, habt ihr, Greta, du und deine Anhänger, jedoch die Dringlichkeit der Lage erkannt und könnt mit gutem Beispiel vorangehen. Aufs Duschen ganz zu verzichten und sich stattdessen nur die Pfoten abzulecken, das wage ich euch verwöhnten Wohlstandskindern und euren Eltern gar nicht vorzuschlagen. Obwohl diese von mir bevorzugte Reinigungsmethode natürlich viel ressourcen­schonender und klimaneutraler wäre, als Trinkwasser erst auf vierzig Grad aufzuheizen, es dann mit Seife ungenießbar zu machen und schließlich als Dreckwasser in den Abfluss laufen zu lassen.

Aber wie sieht’s mit kalten Duschen aus? Supersache das, nicht nur für die CO2-Bilanz! Kalte Duschen regen den Kreislauf an und verbessern das Denkvermögen (gut für die Schule). Ich und meine Kollegen, die Feldhasen, kennen eigentlich gar nichts anderes. Und ihr werdet sehen, wie schnell sich damit das nervige Schimpfwort „Warmduscher“, das ihr vielleicht hier und da schon mal auf dem Schulhof vernommen habt, von selbst erledigt. Als Alternative für weniger Abgehärtete bliebe immerhin noch Smelling for Future.

Ihr wisst: Es ist fünf vor zwölf und in der verbleibenden kurzen Zeit versprechen nur die wirklich drastischen Maßnahmen den nötigen Erfolg. Daher an dieser Stelle noch ein paar hilfreiche Tipps, wie ihr noch viel mehr öffentliche Wirkung erzielen könnt, und das ganz ohne Verschleuderung von Steuergeldern oder die Gefahr, vor der nächsten Mathearbeit ein paar wichtige Übungen zu verpassen, weil euer ignoranter Lehrer sie für Freitag vorgesehen hat. Was könnt ihr also tun?

Wenn eure Eltern es wagen sollten, einen Kühlschrank in einer beheizten Küche laufen zu lassen, während es draußen vor der Tür ungefähr so kalt ist, wie es im Kühlschrank sein muss (oder sogar kälter), dann tretet ihr in einen Hungerstreik, der erst endet, wenn alle Sachen, die sonst im Kühlschrank aufbewahrt werden, in einem kleinen Schrank draußen vor dem Haus gelandet sind. Das Mittel des Hungerstreiks ist nicht nur viel medienwirksamer als das des Schulstreiks; es eignet sich vor allem ideal für die Zeit vor Ostern und heißt deswegen auch „sieben Wochen ohne“. Wenn ihr wüsstet, wie lange man ohne Nahrung auskommen kann! Meine Kollegen draußen auf dem Felde machen das jeden Winter durch!

Den Hungerstreik könnt ihr auch prima einsetzen, wenn eure Eltern eure und ihre CO2-Bilanz dadurch ruinieren, dass sie die Monate von Oktober bis März in einer Wohnung mit 20-22 Grad Raumtemperatur verbringen, obwohl 17 Grad mit zwei Pullovern, langer Unterhose und zwei zusätzlichen Wollsocken an den Füßen denselben Wärmeeffekt hätten. Gar nicht zu heizen wäre natürlich noch besser. Ich z.B. vertraue allein auf mein Winterfell.

Und nun, ganz unter uns, Kinder (den Tipp habt ihr nicht von mir), jetzt kommt die Hammergranate: Wenn eure Eltern es wagen sollten, euch mit einem fetten SUV oder einer anderen Dreckschleuder zur Schule zu bringen, obwohl es Schulbus oder S-Bahn gibt, dann zerstecht ihr ihnen so lange und so oft die Reifen, bis die Karre endlich auf dem Autofriedhof liegt und keinen Klimaschaden mehr anrichten kann, weder in der Schul- noch in der Ferienzeit! Ich spreche hier ja nicht nur als Osterhase zu braven Kindern, sondern auch als Vertreter aller Wild- und Waldtiere. Und ich kann euch, Greta, Kinder, versichern: Die Zahl der Verkehrstoten unter uns ist sogar noch höher als unter euch Menschen.

Also, ich sag’s jetzt einfach mal so: Wir wären begeistert, ganz ehrlich. Das Gute an der Aktion: Sie schließt den vorherigen Schulbesuch keineswegs aus. Ihr erledigt das am besten freitagabends, wenn die Schule längst vorbei ist und alle sich aufs Wochenende freuen und nichts Böses ahnen. Am allerbesten eignet sich natürlich der Freitag vor Ostern. Erst geht ihr alle auf die Karfreitagsdemo (kein Stress mit dem Direx, weil ja sowieso schulfrei ist), und abends zerstecht ihr dann, ein eindeutiges vorheriges Ultimatum vorausgesetzt, euren Eltern in aller Ruhe die Reifen.

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Statt Greta wäre ein Aufstand von Vernunft und Wissenschaft gegen Ideologie und Politische Korrektheit nötig. Wo sind die mutigen Ingenieure und Erfinder, die innovativen Wirtschaftsführer und fleißigen Arbeiter, die sich der ökologisch kostümierten Deindustrialisierung widersetzen? Wollen die Gewerkschaften wirklich zulassen, dass nach dem Bergbau auch die Automobilproduktion vernichtet wird? Sollen nach dem Transrapid auch andere Patente Made in Germany nur noch in China gebaut werden? Deutschland war, ist und muss bleiben: ein Hochtechnologiestandort. Sonnenenergie mag eine Option für die Karibik sein – aber hier ist nicht Jamaika!

Ihr werdet sehen: Wenn Deutschland am Samstagmorgen erwacht, wenn alle Erwachsenen, die sich statt auf die von mir deponierten Eier auf einen kleinen Familienausflug mit dem Auto gefreut haben, wenn sich so viele Menschen, wie ihr freitags deutschlandweit auf die Straßen gebracht habt, über zerstochene Autoreifen ärgern dürfen, ja, ihr werdet sehen, was dann los ist! Ich kann euch versichern, dass ihr damit auf der Titelseite jeder deutschen Tageszeitung landen werdet, online wie offline. Greta, du, ich kann die Schlagzeile in der Bild-Zeitung förmlich vor mir sehen: „Greta macht ernst: Flattires for Future!“ Vorschlag für die deutsche Übersetzung: „Plattfuß statt Gasfuß!“ (Kleine Anmerkung am Rande: Wessen Eltern selbst in der Medienbranche tätig sind, der beteiligt sich an der Reifenstecherei lieber nicht. Schlechte Presse können Klimaschützer nicht gebrauchen.)

Greta, du wirst sehen: So tragt ihr nicht nur zur spürbaren Verbesserung eurer eigenen CO2-Bilanz und der des Planeten bei. Der nervige Vorwurf, ihr hättet nur keinen Bock auf Schule, der würde verpuffen wie bei einer Motorfehlzündung. Du und ich, Greta, wir retten den Planeten. Und weißt du was? Den Weihnachtsmann kriegen wir auch mit an Bord! Man muss nur dran glauben!